Das 3-Konten-Modell – Finanzplanung für Eltern

Sobald Kinder mit im Haushalt leben, wird es mit den Finanzen zwangsläufig etwas komplizierter. Und es wird noch schwieriger, den Überblick über die gemeinsamen, alltäglichen anfallenden Kosten zu behalten. Damit sich niemand ungerecht behandelt fühlt, sollte man unbedingt so früh wie möglich über eine faire Finanzplanung sprechen und eine Lösung finden mit der beide gut leben können. Ansonsten läuft man Gefahr, dass sich einer von beiden immer mal wieder ungerecht behandelt fühlt und man ständig darüber diskutieren muss, wer wieder mehr für die wöchentlichen Lebensmittel ausgegeben hat, immer die Windeln kauft oder schon wieder die Geschenke für die Verwandtschaft bezahlt hat. Das Thema Geld wird dann zwangsläufig zu einem immer wiederkehrenden Nerv-Thema in der Beziehung.

Das 3-Konten-Modell – So geht’s!

Was dabei helfen kann auch als Familie einen Überblick zu behalten und eine faire Regelung zu finden ist das sogenannte 3-Konten-Modell.

Bei dem 3-Konten-Modell behält jeder sein eigenes Konto (Girokonto) und es gibt zusätzlich ein gemeinsames Haupt-Konto (Girokonto) von dem aus alle gemeinsamen laufenden Ausgaben gezahlt werden (Miete, Strom, GEZ, Versicherungen, Kita-Gebühren, Lebensmittel, Kindersachen, gemeinsame Urlaube, Geschenke für Freunde und Familie, Sparplan für die Kinder etc.).

Im Detail läuft das so: Sämtliche Einnahmen von beiden gehen zuerst jeden Monat auf das gemeinsame Haupt-Konto ein. Von diesem Konto aus geht dann ein festgelegter Betrag (Verteilung bspw. 50/50) an die jeweils eigenen Girokonten. Dieser Betrag ist eine Art „Taschengeld“ für beide und steht zur freien Verfügung. Das heißt, es ist ganz egal, wofür einer von beiden „sein Taschengeld“ ausgibt, ob für Hobbys, Kneipenbesuche, die eigene Altersvorsorge oder den Wochenendtrip. Für diese Ausgaben muss man sich auf keinen Fall vor dem anderen rechtfertigen, es wird nicht diskutiert.

Eine weitere Möglichkeit das 3-Konten-Modell zu nutzen ist folgende: Zunächst bekommt jeder sein Gehalt auf das eigene Konto gezahlt und beide überweisen am Anfang des Monats einen festgelegten Betrag auf das Gemeinschaftskonto.

Finanzielle Unabhängigkeit durch das 3-Konten-Modell

Das 3-Konten-Modell unterstützt uns dabei, auch als Eltern finanziell unabhängig zu bleiben. Das Gefühl der finanziellen Unabhängigkeit, die Gewissheit, Geld zur freien Verfügung zu haben, ist für viele von uns für unser langfristiges Wohlbefinden sehr wichtig. Einfach mal etwas zu kaufen, ohne vorher mit dem Partner darüber diskutieren zu müssen oder den Partner spontan zum Essen einladen, sind Dinge, die wir für ein zufriedenes Leben brauchen. Außerdem ist ja auch der Umgang mit Geld nicht immer der gleiche. Vielleicht kauft der eine besonders gerne auf dem Markt den Käse- und Feinkostwagen leer, während der andere ungerne so viel Geld für Lebensmittel ausgibt, aber ein teures Hobby hat. Auch wenn Kinder da sind, sollte es für beide möglich sein, individuelle Konsumgewohnheiten und Vorlieben auszuleben. Das 3-Konten-Modell hilft Struktur und Ordnung in die familiären und individuellen Finanzen zu bringen, ohne die individuelle Perspektive außer Acht zu lassen.

Ganz wichtig ist, dass ausreichend Geld für die Altersvorsorge mit eingeplant wird. Insbesondere für die Zeit in der einer von beiden oder beide zusammen auf Grund von Elternzeit oder Teilzeit nicht mehr so viel verdient wie vorher und nicht ausreichend für das Alter vorsorgen kann, sollten keine finanziellen Nachteile insbesondere was die Altersvorsorge betrifft, entstehen. Eine Möglichkeit ist es, das „Taschengeld“ um den Anteil zu erhöhen, der in dieser Situation fehlt, also derjenige mit dem höheren Gehalt zahlt eine Art Ausgleichszahlung, an denjenigen der beruflich kürzer Tritt. Der Anteil vom Taschengeld, der für die Altersvorsorge gedacht ist, geht dann bestenfalls direkt per Dauerauftrag am Anfang des Monats in die private Rentenversicherung oder den ETF-Sparplan. Der Partner, der zurzeit auf Grund der Kinder weniger verdient, kann so weiter für das Alter vorsorgen und hat aber auch noch genauso viel Taschengeld wie vorher zur Verfügung für eigene Bedürfnisse und Wünsche.

Verteilung 50/50 fair?

Ob beide genau den gleichen Betrag auf ihr eigenes Girokonto ausgezahlt bekommen oder einer von beiden ggf. mehr „Taschengeld“ erhält, weil er wesentlich mehr verdient, muss jedes Paar für sich besprechen und nach einer Lösung suchen, die sich für beide fair anfühlt.

An dieser Stelle ist es einfach ganz wichtig miteinander zu sprechen und klar zu definieren, welche Dinge vom Gemeinschaftskonto aus bezahlt werden und welche nicht. Im besten Falle definiert man Budgets für die Gemeinschaftskosten also bspw. wieviel wollen wir maximal monatlich für Lebensmittel ausgeben. Am Anfang ist es hilfreich sich regelmäßig zusammen zu setzen und zu schauen, wie beide mit dem Modell zurecht kommen. Sollten Unstimmigkeiten bestehen, hat man so die Möglichkeit frühzeitig Anpassungen vorzunehmen bis das Modell für beide passt.
Wie gesagt, es handelt sich um ein Modell. Und wie das mit Modellen so ist, lassen sie sich meistens nicht 1 zu 1 auf unsere individuelle Situation anwenden. Aber wir können sie zur Orientierung nutzen und ein für uns passendes Modell daraus machen.
Grundsätzlich finde ich, dass ein Gemeinschaftskonto dabei hilft eine gleichberechtigte Beziehung zu führen. Man hat ein Familienkonto, ein gemeinsames Budget mit dem man einfacher und sehr transparent planen kann, man kennt seine finanzielle Situation als Paar genau. Wenn man als Familie genau weiß, wieviel Geld einem monatlich zur Verfügung steht und welche Kosten man gemeinsam hat, dann ist es viel einfacher bewusste Entscheidungen dahingehend zu treffen, wer wann und wie lange beruflich kürzer tritt, oder ob man es sich vielleicht auch leisten kann, dass beide Eltern eine Zeitlang nicht Vollzeit arbeiten müssen damit beide mehr Zeit für Kinder und Care-Arbeit haben und so eine gleichberechtigte Elternschaft ausgeübt werden kann.

Auch hier geht es wieder darum sich einen Überblick über die eigene und gemeinsame finanzielle Situation zu verschaffen und damit in der Lage zu sein eigenständige Entscheidungen treffen zu können und sich über die Konsequenzen bewusst zu sein.

Wenn es darum geht die prozentuale Verteilung des Taschengeldes festzulegen, sollten wir auf jeden Fall bedenken, dass es meistens wir Frauen sind, die nach der Geburt eines Kindes über einen längeren Zeitraum beruflich kürzertreten, um sich um die Kinder zu kümmern und damit dem Mann den Rücken freihalten, damit er weiter Vollzeit arbeiten kann. Die Folge: Wir Frauen verdienen in der Regel über Jahre hinweg viel weniger als unser Partner und können damit meist nur unzureichend für das Alter vorsorgen. Diese Tatsache und auch der Fakt, dass wir Frauen immer noch einen Hauptteil der unbezahlten Care-Arbeit zuhause übernehmen, sollte meiner Meinung nach vom Partner auch monetär wertgeschätzt und bei der Aufteilung des jeweiligen Taschengeldes unbedingt berücksichtigt werden.

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